Predigtimpulse

 

Regelmässig bereitet das Team Predigten und Impulse für die Gottesdienste vor, die täglich aus der Kirche Rechthalten gesendet werden.

Hier können Sie einige Texte nachlesen.


Kurzpredigten für den Mai 2020

 

jesus-3499151_640.jpg4. So. der Osterzeit: 02./03. Mai
Erste Lesung: Apg 2,14a.36–41
Zweite Lesung: 1 Petr 2,20b–25
Evangelium: Joh 10,1–10

Im Mai - so sagt man oft - trägt die Natur ihr Festgewand. Viele Pflanzen blühen. Alles spriesst und wächst. Das empfinden wir als schön, einfach schön. Wir danken für das Geschenk der blühenden Natur, die uns durch ihre Anmut fasziniert und innerlich mit Freude erfüllt.

Am Anfang dieses Monats feiern wir am 3. Mai den 4. Sonntag der Osterzeit. Dieser Sonntag ist ausgerichtet auf die Person Jesu, den guten Hirten, der seine Schafe persönlich kennt, der sie leitet und ihnen das ewige Leben gibt. Er möchte uns zeigen, welch hohen, unschätzbaren Wert wir für Gott haben. Er liebt uns wie ein guter Hirt.

Wir brauchen – um das alte biblische Bild zu verwenden – gute Hirten, das heisst Leitfiguren, die den anderen helfen, damit sie im Trubel des Alltags ihre Seele nicht verlieren. Die ganze Liebe Gottes zur Welt hat Jesus erwiesen durch die Hingabe seines Lebens. Christus vermag dem Leben einen Sinn zu geben, weil er sogar dem Tod einen Sinn gegeben hat, indem er ihn überwunden hat. Er hat der Welt gezeigt, dass der Tod keine Mauer mehr ist, an der alles zerbricht, sondern ein Tor, durch das der Mensch hindurchgehen darf, wenn er die Lebensgrenze erreicht hat. Diese Erfahrung, diese Hoffnung hat Jesus seiner Kirche mitgegeben.

Jesus, der gute Hirt, sagt uns: Denk immer daran, als guter Hirt, als gute Hirtin musst du wie ich das Leben hingeben für die Schafe, für die dir anvertrauten Menschen. Du darfst nicht dich selber weiden. Deine ganze Energie, dein ganzer Einsatz muss vielmehr den dir begegnenden und anvertrauten Menschen gelten. Auf gute Weide sollst du sie führen, dass sie sinnvoll leben können. Du wirst sie schützen und warnen, damit sie nicht von den Machthungrigen, den nur sich selber Dienenden ausgebeutet oder verführt werden.

Und weiter sagt der Herr: Wenn du in meiner Art deinen Hirtendienst tust, dann geht mehr, als du denkst. «Ich bin die Tür zu den Schafen» und zu einem sinnvollen Leben. Lasst uns beten, damit ein jeder von uns der gute Hirt seiner Brüder und Schwestern sei!

P. Adrian Coşa


forest-2942477_640.jpg5. So. der Osterzeit: 09./10. Mai
1. Lesung: Apg 6,1–7
2. Lesung: 1 Petr 2,4–9
Evangelium: Joh 14,1–12

Am 5. Sonntag in der Osterzeit wird das Johannesevangelium, Kapitel 14, Verse 1 bis 12 verkündet und dieser Text wird überschrieben mit dem Satz: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben». Er ist ganz und gar auf das österliche Geheimnis abgestellt und soll den Jüngern helfen, den Weggang Jesu zu begreifen und daraus Hoffnung zu schöpfen und ihrem Leben seinen Wertgehalt zu geben.

Jesus ist den Jüngern nach seiner Auferstehung gegenwärtig, so wie er auch uns heute in seinem Geiste gegenwärtig ist. Er will uns aber nicht nur seiner Präsenz versichern, sondern er will uns Lebenssinn sein, indem er uns Inhalt und eine Zukunftsperspektive vermittelt. Sein Wunsch ist das auch wir auferstehen und zwar in seine göttliche Gegenwart hinein. So kann Jesus sagen: «Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?» Wie bereits für die Jünger, so stellt sich hier natürlich die Frage, und wie komme ich zu diesen Wohnungen? Nun Jesus gibt uns die Richtung vor, indem er sich selbst als Weg, Wahrheit und Leben bezeichnet. Er selbst ist die Türe zum ewigen Leben und damit zu Gott Vater, den wir bereits durch die Gegenwart Jesus im Hl. Geist kennen. Ja, Jesus gibt uns gar den Schlüssel zu dieser Türe, wenn er sagt: «Glaubt an Gott und glaubt an mich!»

Somit wird auch verständlich, dass Jesus abschliessend erläutert, dass «wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch grössere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater». Es ist das Kommen zum Glauben und anschliessend das Verharren im Glauben, dass uns den Zugang zur Gegenwart Gottes in uns selbst erschliesst. Wenn wir nach ihm verlangen, hat er bereits Wohnung bei uns genommen und wird somit in unserem Leben erfahrbar, so wie wir ihn auch in den Sakramenten spürbar erfahren dürfen. Die christlichen Tugenden – Glaube, Hoffnung und Liebe – gehen genau in diese Richtung, denn der Glaube eröffnet die Perspektive, die Hoffnung gibt und aus dem Glauben erwächst auch das Verlangen, die uns von Gott geschenkte Liebe ebenso für unsere Mitmenschen überfliessen zu lassen.

Wer die Weisung Jesu «glaubt an Gott und glaubt an mich» ernstnimmt und auch entsprechend lebt, also wirklich glaubt, erhält eine Sinnkomponente in seinem Leben, die das irdische Dasein übersteigt und damit auch Hoffnung schafft und ein Leben in demütiger Liebe möglich macht. Und die Auferstehung Christi bildet die Basis für all dies.

Halleluja, er lebt! Halleluja, er ist auferstanden! Amen.

Josef Güntensperger

 

20200406_130649.jpg6. So. der Osterzeit: 16./17. Mai
1. Lesung: Apg 8,5–8.14–17
2. Lesung: 1 Petr 3,15–18
Evangelium: Joh 14,15–21

„Bravo aux héros du quotidien (Bravo den Alltagshelden)", so lese ich es auf einem Transparent, das aus einem Fenster hängt.

Ja, die Coronazeit hat ihre Helden: Die Menschen im Gesundheitswesen, die VerkäuferInnen im Supermarkt, politische EntscheidungsträgerInnen, ForscherInnen ... die Liste liesse sich unendlich fortsetzen. Was sie in diesen Tagen leisten ist enorm. Und ich denke noch an andere Alltagshelden. Was ich bei der Telefonseelsorge erlebe, sind Berichte von starken Familien und Nachbarschaften. Von Menschen, die etwas mitkochen für Bekannte, die über den Balkon Kontakt halten, die füreinander einkaufen oder Postkarten schreiben.

In der heutigen Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus ruft er die Christen in Kleinasien auf, sich stets um das Gute zu bemühen (auch wenn sie selbst eher Ablehung von ihren MItmenschen erfahren haben). Und wenn sie dann nach dem Grund ihres Handelns gefragt werden, dann sollten sie darüber Auskunft geben, woraus sie Kraft und Hoffnung schöpfen. So soll Christus durch ihr Leben, Handeln und Reden bezeugt werden.
Diesen Impuls möchte ich Ihnen ans Herz legen für die nächste Woche: Wenn Ihnen das nächste Mal jemand etwas Gutes tut, fragen Sie einfach mal, was ihn/sie dazu antreibt. Und vielleicht überlegen Sie sich auch selbst, was Sie dazu bringt, „sich um das Gute zu bemühen”.

Die Antworten werden nicht immer Glaubenszeugnisse sein. Aber sie werden kraftvolle Visionen enthalten, von einer Gesellschaft, die über sich hinauswächst – nicht nur in Krisenzeiten.

Christina Mönkehues-Lau

 

call-5077271_640.jpg7. So. der Osterzeit: 23./24. Mai
1. Lesung: Apg 1,12–14
2. Lesung: 1 Petr 4,13–16
Evangelium: Joh 17,1–11a

Der Lesungstext aus der Apostelgeschichte (Apg 1,12-14) brachte mich zum Schmunzeln. Die Jünger bewegten sich nicht weit aus der Stadt, nur eine Sabbatstrecke, also sozusagen nur einen Katzensprung, bis zum Ölberg. Danach begaben sie sich zurück in ihr Obergemach, wo sie dann blieben.

Letztes Jahr hätten wir dazu sicher nicht die gleichen Assoziationen gehabt wie heute. Keine grossen Ausflüge, daheim bleiben, das kennen wir unterdessen. Nur das mit dem Abstandhalten wäre im Obergemach schwierig gewesen, zugegen waren elf Apostel, Jesu Mutter, seine Brüder, deren Zahl nicht genannt ist, und die Frauen. Eine rechte Versammlung also.

Wenig Bewegungsradius, gemeinsames Beten, um dem auf die Spur zu kommen, was die Jünger*innen mit Jesus erlebt und erfahren hatten. Kreuzigung, Ostermorgen, Begegnungen mit dem Auferstandenen, Abschied nehmen – das alles klingt nach und will verdaut, verstanden werden.

Die unauflösliche Beziehung zwischen Jesus, dem Christus, und dem himmlischen Vater, wie sie im Johannesevangelium dargelegt ist (Joh 17,1-11a), wird für ihr künftiges Leben die Klammer sein, ohne die sie ihren Glauben nicht mehr denken und leben können. Aber es braucht eine Ruhe-Zeit, bis sich das aufgewühlte Wasser ihrer Seelen klärt und zur Quelle für sie und andere wird.

Zwei Dinge nehme ich heute mit.

1. Ohne die Zeit des Rückzugs, des Meditierens hätten die Jünger und Jüngerinnen wenig später nicht so viele Menschen zum Glauben begeistern können.
Was ist in uns in der aktuellen Zeit des Rückzugs gereift?

2. Mit einem Bibeltext sind wir nie fertig. Weil das Leben uns ständig an neue Punkte führt, bringt auch die Bibel immer wieder Unerwartetes in uns zum Klingen.
Als Anregung: Lesen Sie eine Bibelstelle, die Ihnen sehr vertraut ist, und lassen Sie sich überraschen, zu welchen Gedanken und Gebeten Sie heute geführt werden.

Bettina Gruber

 

holy-spirit-4825304_640.jpgPfingsten: 30./31. Mai
1. Lesung Apg 2,1–11a
2. Lesung: 1 Kor 12,3b–7.12–13
Evangelium: Joh 20,19–23

50 Tage nach Ostern feiern wir Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes. Mit diesen Symbolen wird der Heilige Geist meistens beschrieben:

  • Die Taube als Zeichen der Liebe,
  • Feuer, als Zeichen der Begeisterung, der Energie, des Lichtes und der Reinigung
  • und Sturm als Zeichen für unberechenbare, machtvolle Dynamik, unsichtbar, an ihrer Wirkung aber deutlich spürbar.

Ohne Gottes Geist gibt es kein Glaubensbekenntnis, keine Glaubensgemeinschaft und kein Glaubensleben. Diese drei Zutaten machen Kirche aus. Kirche, das ist die Gemeinschaft der Menschen, die denselben Glauben teilen und die von ein- und demselben Antrieb in Bewegung gesetzt sind. Der Heilige Geist bewirkt all das: Von ihm bewegt bekennen Menschen von ganzem Herzen: Jesus ist der Herr. Von ihm zusammengeführt wird aus einer Ansammlung von Individuen eine Gemeinschaft der Glaubenden. Von ihm angetrieben feiert und verkündet diese Gemeinschaft ihren Glauben und kümmert sich um die Schwachen.

Der allererste Zugang des einzelnen Menschen hinein in diese ganze Bewegung ist von allerwichtigster Bedeutung. Petrus gewinnt die ersten Anhänger in Jerusalem, indem er auf der Strasse eine Predigt hält. Ein Satz aus dieser langen Rede trifft viele Zuhörende „mitten ins Herz“: „Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ (Apg 2, 36f).  Dieser Treffer ins Herz ist der Urknall der christlichen Existenz. Von hier aus kommt alles Weitere von selbst in Bewegung. Weil die Hörenden vom Grund ihrer Seele her selbst bewegt sind, fragen sie: „Was sollen wir tun?“. Ab diesem Moment braucht es noch viel Unterstützung, die begleitende Gemeinschaft, Vorbilder und Lehrende. Aber den Urknall selber, den kann niemand machen – nur der Heilige Geist, der Hauch aus Jesu Mund.

Und nur, wer diesen „Urknall“ des Glaubens bei sich selber erfahren hat, kann sich hinstellen und in Wort und Tat ein Zeugnis geben, das wiederum durch das Wirken des Heiligen Geistes die Herzen anderer Menschen öffnet.

„Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.“ (1 Kor 12, 3). Bitten wir um diesen Glauben, um diesen Geist, um diesen Hauch aus dem Munde Jesu, damit er unsere Herzen berühre und insbesondere die Herzen der jungen Menschen, die in diesem Jahr um die Firmung bitten.

Florian Joos

Unser Antrieb ist Jesus Christus. Das Band, das uns mit ihm verbindet ist der Heilige Geist.  

 

06./07. Juni, Dreifaltigkeitssonntag

Erste Lesung:Ex 34, 4b.5–6.8–9
Zweite Lesung: 2 Kor 13, 11–13
Evangelium: Joh 3, 16–18

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Der Dreifaltigkeitssonntag, der erste Sonntag nach Pfingsten, steht am Beginn des zweiten und längeren Abschnitts der „Zeit im Jahreskreis”, also der Zeit zwischen dem Osterfestkreis und dem Advent. Seit 1334 feiert die Kirche, worum sie in der frühen Zeit theologisch heftig stritt, um die Trinität, um die Dreifaltigkeit Gottes.
Wenn wir eine Kirche betreten und das Kreuzzeichen machen, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen oder der Priester am Schluss den Segen über uns spricht, lautet die Formel stets: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes”. Sie ist uns geläufig und verinnerlicht, und dennoch tun wir uns eher schwer mit dem Verständnis. Dass Gott aus drei voneinander verschiedenen Personen besteht, welche das gleiche Wesen teilen, ist abstrakt und nicht ohne Weites nachvollziehbar.
Das Band zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, also was sie zusammenhält, ist die Liebe. Gott wächst aufgrund seiner Liebe über sich selbst hinaus. Liebe kennt keine Grenzen, lässt sich nicht aufhalten oder stoppen. Sie teilt und vermehrt sich stets, ja das ist ihr Wesen und zugleich ihre Bestimmung. Im Evangelium vom heutigen Hochfest heisst es: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab…” (Joh 3,16). Gottes Liebe kennt keine Grenze, er liebt die Welt, welche er erschaffen hat, er liebt den Menschen, welchen er wollte. Er ist die bejahende Kraft, welche uns zusammenhält, allen Stürmen und Widrigkeiten zum Trotz.
Franziskus sagte, die schönste Liebe, deren ein Mensch fähig ist, sei die „erlöste Mutterliebe”. Ganz und vorbehaltlos will sie das Wohl des Kindes, damit es heranwächst und sich entfalten möge. In diesem mütterlichen, das ganze Wesen umfassende Wohlwollen findet ein Kind jenes Umfeld, um eigene Erfahrungen machen zu können und trotzdem geschützt, gehalten und getröstet zu sein.
Das Hochfest der Dreifaltigkeit lenkt unseren Blick auf die Liebe Gottes, welche Vater, Sohn und Heiligen Geist zusammenhält, aber auch die Liebe Gottes zu den Menschen, aus welcher wir nicht herausfallen können, und schliesslich auf die Liebe unter uns, welche stets wachsen, grösser und tiefer werden darf, soll.

Pater Pascal Marquard